Floristik-Design-Fachbuch

14. Design

14.1 Was ist Design?

Design, zu deutsch Gestaltung ist ein kreativer Schaffensprozess, bei welchem durch die Tätigkeit des Gestaltenden ein Gedankengut und oder eine „Sache“ verändert, erstellt, modifiziert oder entwickelt wird. Es entsteht eine neue Form oder ein neues Erscheinungsbild. Gestaltung ist die bewusste, verändernde Einflussnahme auf die ästhetische Erscheinung von Dingen oder Zusammenhängen. Also auf die sinnlich wahrnehmbaren Phänomene wie Objektgestaltung, Raumschmuck und verschiedene Designbereiche in Mode, Lifestyle, Floristik, Grafik und Architektur.

Der deutsche Begriff „Gestaltung“ wird immer öfter vom englischen Wort „Design“ verdrängt, welches jedoch von gleicher Bedeutung ist. In unserem Beruf sind Werkstücke, die nicht „verhübscht“ sind und wahrhaft gestaltet sind, „Designerstücke“ bzw. gut gestaltete Werkstücke. Design ist ein Produkt der Moderne, es strebt nach Einfachheit, Funktionalität, Rationalität und Funktionsoptimierung. Gutes Design orientiert sich am Menschen, seinen Bedürfnissen und wird durch Gesellschaft, Tradition, Kultur und Technologie geprägt (Apple iPhone, MP3 Player, VW Beatle…). Design finden wir im Handwerk und im Industriellen. Es überträgt z.B. das Traditionelle in die Gegenwart. Konstruktionen können sichtbar sein und dann gestalterisch mitwirken. Design reduziert meist auf das Wesentliche und ist immer weit weg vom „verhübschen“. Es ist wahrhaft und ehrlich. Die Grenzen zur Kunst sind fliesend. Gutes Design ist dann meist zeitlos, andererseits in ständiger Weiterentwicklung !

Design
  • Design ist, wie auch der Begriff „Designer“ nicht geschützt u. kann auch vom Floristen genutzt werden

14.2 Der Designer

der Gestalter, der Designer, hat wenn er sich als solcher versteht, eine Gestalterische Verantwortung gegenüber:

– sich selbst

Grundsätzlich ist jeder Mensch Gestalter – Gestalter seines Lebens. Menschen die „beruflich Gestaltung“ betreiben, sollten sich also darüber bewusst sein, dass sie sich selbst in ihrer Arbeit ausdrücken, sich im fertigen Werk spiegeln!
Die Gestalten, die der Gestalter schafft, sollten also nach Möglichkeit Wesensnähe zum Gestalter selbst besitzen. Durch sie sollen seine Kreativität, sein Humor, seine Freiheit und seine Verantwortung zum Ausdruck kommen. Die Verantwortung, welche man dem eigenen Tun entgegenbringen sollte, steht in direktem Zusammenhang mit der Eigenverantwortung. Da man ja bekanntlich „sich selbst der Nächste“ ist, sollte man als Gestalter auch den Anspruch haben, sich selbst treu zu bleiben bzw. seinem persönlichen Stil. Erst dann gilt man als authentisch. Persönliche Authentizität wird in Zukunft vor dem Hintergrund ständig mehr werdender vergleichbarer Produkte, einen größeren Stellenwert erlangen.

– der Natur

Sowohl ökonomische als auch ökologische Gesichts-punkte fordern den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. Auf eine Auflistung dieser Fakten möchten wir an dieser Stelle verzichten und lediglich darauf hinweisen, dass der gestaltende Florist auch als „Kommunikationsmittel“ zwischen Natur und „Hightech –Mensch“ fungieren kann! Auch wenn unser Tun oft im Konflikt zur Schutzlosigkeit der Natur steht und diese nicht selten ausgenutzt wird, sollte dies nie schamlos oder nutzlos geschehen. Dankbar und ehrfürchtig sollte der Gestalter seine Fähigkeiten nutzen, die Natur ein Stück weit geistig zu durchdringen. Natur begreifen, erkennen, annehmen und sie dann neu gestaltet, verändert und neu interpretiert darstellen.

– der Kultur

Die florale Kultur ist ein nach wie vor wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft. Auch vergängliches stellt Werte dar und zählt nicht selten zu den höchsten Kulturgütern. Tulpenzeit in Holland, Gärten im Barock und Ikebana in Asien sind Beispiele. Das Vergängliche bietet sich geradezu an, da auch die Kultur einer ständigen Wandlung und Veränderung unterliegt.

– dem Kunden

Erhält der Florist einen Auftrag, so hat er eine ästhetische Aufgabe, Technik; Gestaltung und persönliche Anliegen in Einklang zu bringen.Die beim Kundengespräch geweckten Erwartungen müssen sich mit den tatsächlichen Leistungen decken, besser noch sie übertreffen. Techniken und Gestaltung müssen qualitativ hochwertig sein, um eine Kundenbindung zu ermöglichen.

„Qualität ist die Moral des Produkts“
– Jan Teunen.

– der Zukunft

Denn Gutes hat Zukunft, ist von Bestand und wird es auch in hundert Jahren noch geben. Mehr denn je wird der Gestalter in Zukunft wieder Verantwortung gegenüber seinem Schaffen übernehmen müssen! Nachhaltigkeit, Hochwertigkeit und Zeitlosigkeit sind die Schlagwörter und Geiz ist nicht mehr geil! Genug der Applikationen und Trendkopien, Originale sind wieder erwünscht. Der Anspruch auf Qualität und Authentizität wird wachsen und mit ihm die Wertschätzung gegenüber dem Handwerk. Ökonomische und ökologische Überlegungen dürfen in der Gestaltung sichtbar werden und steigern Glaubwürdigkeit und Wertebewusstsein. Daher muss der Gestalter die Verantwortung gegenüber der Zukunft annehmen um sie richtungweisend in seinem Wirkungsbereich mit zu gestalten !!!

14.3 Design unperfekt-perfekt

– der Laie freut sich und der Fachmann wundert sich –

 –  Alternative Gestaltungsrichtung –

Geschehnisse durch Veränderung im Lebensstil und durch gesellschaftliche Entwicklungen in einer  immer mehr durch Globalisierung und Digitalisierung geprägten Welt. Menschen mit Freude und Lust an Gestaltung und Design, wie User, Influencer und viele mehr, aus sämtlichen Bereichen und Erdteilen prägen plötzlich eine neue Gestaltungsrichtung.

Sie streuen, teilen und verbreiten Bildmaterial über soziale Medien und im virtuellen Raum, das ihrer Vorstellung von Ästhetik entspricht. In kaum vorstellbarer Geschwindigkeit und Reichweite haben jetzt auch Fachfremde Zugang und beeinflussen die Entwicklung der floralen Gestaltung.

Neue Stilrichtungen entwickeln sich durch einen Wandel der Lebensauffassung und Geisteshaltung der Menschen. Jeder, der gestalterisch tätig ist, drückt sich selbst in seiner Arbeit aus, spiegelt sich im fertigen Werk.

Ein verändertes Lebensgefühl, neue Denkweisen und ein zeitgemäßes Wertebewusstsein schaffen neue Persönlichkeitsstrukturen, wobei soziale Veränderungen mit ausschlaggebend hierfür sind.

Merkmale, die typisch bzw. charakteristisch für diese alternative Gestaltungsrichtung sind:

  • die typische Ordnungsart ist die Asymmetrie
  • oft werden zwei oder mehreren Gestaltungsarten kombiniert (fast gleichgewichtige Kombinationen sind möglich)
  • eine Kombination verschiedener Anordnungsarten, wobei das Überschneidende nicht zwangsweise im Fokus steht
  • gewagte Proportions- und Mengenverhältnisse
  • meist werden spannungsreiche Gruppierungen dargestellt
  • große Formkontraste sind ein deutliches Charaktermerkmal
  • typisch sind Farbharmonien gemischter Abstände, aber auch die Harmonien kleiner Kontraste sind möglich
  • brisante Kombinationen bei der Werkstoffauswahl sind angesagt
  • z.B. trocken – frisch /exotisch – bäuerlich / morbide – intakt

Die Bezeichnung „undone-stil“ für diese alternative Gestaltungsrichtung ist ebenfalls eine Möglichkeit.           undone =       unfertig aussehend, scheinbar unperfekt und doch perfekt

Auf subtile Art wird der „upcycling“-Gedanke transportiert – alles ist kombinierbar, alles ist in neuem Kontext neu aufgewertet darstellbar. Das Ideal ist eine unperfekte – perfekte Darstellung in allen Bereichen!

Problematisch ist der Aspekt der Wirklichkeitsverzerrung, bei der Abbildungen in Form, Farbe und Textur sachverändert (surreal) dargestellt werden.  Dies geschieht durch Bildbearbeitung mit Filtern etc. Dadurch ist eine praktische Verwirklichung für den Floristen oft nicht möglich.  Das heißt, der Fachmann bzw. die Fachfrau kommt in Erklärungszwang, wenn der Kunde nicht erkennen/einschätzen kann, dass sich seine Wünsche manchmal nicht eins zu eins umsetzen lassen.

…zum Glück – die Natur ist beeindruckender als jeder Filter.

                                                 Weiteres Bildmaterial folgt !

 

 

Foto von Trockenblumenstrauß